Am Donnerstag, den 18. Juni 2015, stellten wir einen 2-Waben Schaubienenstock im Funkhauspark des ORF Steiermark auf. Da er schon vor zwei Wochen befüllt geworden war und das Futterangebot, die Tracht, sehr gut gewesen war, war es nötig, die obere Wabe durch eine Leerwabe zu ersetzen. Beim Beobachtungsstock ist es nicht möglich, die auf der Wabe sitzenden Bienen direkt in das Volk zu kehren, so wurden sie auf ein Leintuch vor dem Flugloch abgestoßen. Der dadurch entstandene Wirbel um den Stock war Anlass dazu, schnell ein Kamerateam zu organisieren und schließlich wiederholten wir die Szene des Wabentausches.
Die Bienen scheinen sich ihres Auftritts bewusst zu sein, stechen nicht und kehren sogar schneller in den Stock zurück als zuvor.
Das Experiment von Karl von Frisch macht es nötig, die Bienen auf einen künstlichen Futterplatz zu dressieren. Ideal ist ein Versuchsgelände, wo im Umkreis von mindestens drei Kilometer keine anderen Bienenvölker anzutreffen sind.
Jedoch es stehen 12 Völker des Erwerbsimkers Johannes Wruss auf dem Gelände des ORF. Sie werden sicher unseren Futterplatz entdecken und in Massen darüber herfallen.
Wir stellten ein Stativ mit dem Zuckerwasserschälchen direkt vor dem Flugloch auf, was unsere Bienen, die noch nicht mit dem natürlichen örtlichen Futterangebot vertraut waren, sofort annahmen. Um sie identifizieren zu können, markierten wir die Futterplatzbesucherinnen am Rücken mit verschiedenfärbigen Nummernplättchen, wie sie sonst für das Zeichnen der Bienenköniginnen Verwendung finden.
Wenn die Bienen den Futterplatz annehmen, wird er in kurzen Distanzen weiter fortbewegt, da der Schwänzeltanz bei unserer Bienenrasse erst ab ungefähr 100 m Entfernung vom Bienenstock auftritt.
Wir haben die 100 m erreicht, die markierten Bienen kommen immer wieder zum Futterplatz zurück und sind auch im Bienenstock anzutreffen. Wahrscheinlich ist es das reichhaltige natürliche Trachtangebot, das für die anderen Bienenvölker interessanter ist, weswegen sie unseren Futterplatz ignorieren. Am Samstag schaffen wir mit unseren Bienen die Hürde über die Baumreihe zwischen unserem Standort und der „Hundewiese“. 175 m Entfernung vom Stock sind erreicht, ungefähr 300 Bienen sind markiert, der Appetit wird immer größer. Wenn das Futter zur Neige geht, haben sie noch eine eigene Taktik entwickelt, um die im Gras ruhenden ExperimentatorInnen darauf aufmerksam zu machen: sie „umschwärmen“ diese (es stellt sich die Frage, wer eigentlich wen dressiert hat).
Wir konnten viele Tänze von Futterplatzbienen registrieren. Daneben wurden auch andere Tänze aufgezeichnet, die uns einen Hinweis auf natürliche Trachtquellen lieferten. Eine weitere Hilfe zur Bestimmung der Futterpflanze liefern die Pollensammlerinnen, deren Höschen eine charakteristische Farbe haben. Ein in der Nähe liegendes Feld mit Bienenweide, auf dem vor allem der Gelbsenf (Sinapis alba) blühte, war gut besucht. Der Pollen ist von oranger Farbe. Als Beispiel nahmen wir zwei zurückkehrenden Pollensammlerinnen am Flugloch die Höschen ab, ein oranges und auch ein hellgelbes, um die Pollen unter dem Mikroskop zu untersuchen.
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Das orange Höschen würde zum Senf passen, zeigt aber in seiner mikroskopischen Struktur die typische gefensterte Form der Korbblütler vom Löwenzahn Typ (Compositae Cichorioideae).
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Jedoch das mikroskopische Bild des anderen Präparates scheint Senf zu sein. Aber ein Vergleich in der Pollendatenbank in Verbindung mit der hellgelben Farbe des Höschens, lässt uns eine blühende Ligusterhecke (Ligustrum sp.) im Umkreis des Sammelgebietes unserer Bienen vermuten.
Unsere Vorbereitungen für das Pressegespräch am folgenden Mittwoch verliefen bis einschließlich Montags reibungslos, was bei Experimenten in und mit der Natur nicht immer selbstverständlich ist.
Dann, am Dienstag, Regen. Ein Tag Regen wird wohl die Erinnerung der Bienen an unseren Futterplatz nicht auslöschen (Bei der Bildung von Ablegern müssen die Bienen für mindestens drei Tage in „Kellerhaft“, damit sie nicht zu den ursprünglichen Völkern zurückfliegen).
Die Präsentation am 24.Juni 2015: Nach einer feuchtkühlen Nacht kam die Sonne hervor, die
Bienen sammelten, tanzten und besuchten unseren Futterplatz.
Nach dem Pressegespräch mit ORF Landesdirektor Gerhard Draxler, Bürgermeister
Mag. Siegfried Nagl und Univ.-Prof. Dr. Karl Crailsheim wurde der Versuchsaufbau
zur Messung der Bienentänze und ein kurzer Test zur Farbwahrnehmung der Bienen
präsentiert.
Schließlich wurde der 2-Wabenschaustock am Freitag, 5 Uhr früh, vom Gelände des ORF Funkhausparks abtransportiert und die Bienen am folgenden Tag wieder mit dem Muttervolk vereinigt.
Text: Thomas Hötzl, Fotos: Gerald Kastberger & Thomas Hötzl